Sévelin Sud, Lausanne
2022 –
Städtebauliche Studie, Begleitung QP / Nutzungsplan, Begleitung Projekt PSP
PSP Swiss Property

Ausgangslage
Das Areal Sévelin Sud liegt im Zentrum von Lausanne, nur wenige Minuten vom See entfernt. Es handelt sich um ein ehemaliges Industriegebiet auf einem leicht erhöhten Plateau, das die Stadtlandschaft bislang räumlich und funktional teilt. Im Auftrag von PSP Swiss Property, Eigentümerin mehrerer Liegenschaften im Perimeter, wurde eine städtebauliche Studie erarbeitet. Ziel war es, den von der Stadt geplanten Quartierplan zu überprüfen, zu präzisieren und die Entwicklungsmöglichkeiten des Gebiets neu zu definieren.

Kontext
Sévelin entstand im Zuge der Aufschüttung des Flon-Tals und war über Jahrzehnte Standort von Werkstätten, Lagerhallen und Produktionsstätten. Mit dem Rückzug der Industrie blieben einige denkmalgeschützte Bauten bestehen, das Quartier jedoch weitgehend fragmentiert und untergenutzt. Heute ist Sévelin von kulturellen, bildungsorientierten und handwerklichen Nutzungen geprägt, die zwar eigenständig funktionieren, aber kaum miteinander vernetzt sind. Die heutige Topografie und Nutzung führen dazu, dass das Quartier räumlich abgeschottet ist und einen Bruch im städtischen Gefüge erzeugt.
Die städtebauliche Untersuchung reagiert auf diese Situation und zeigt das Potenzial einer schrittweisen Öffnung des Quartiers – hin zu einem durchmischten Stadtteil mit neuen öffentlichen Räumen, nachhaltiger Infrastruktur und neuen Bewegungsflüssen, die den Stadtteil wieder in die Stadt einbinden.

Konzept
Ziel des Projekts ist eine massvolle Verdichtung bei gleichzeitiger Steigerung der räumlichen und sozialen Qualität. Die Studie nimmt das bestehende industrielle Gefüge als Grundlage und definiert darauf aufbauend städtebauliche Bausteine, durch die das Quartier seine eigene Identität und räumliche Charakteristik entfalten kann.
Die Mantelbebauungen entlang der Oberen Hauptstraße und der unteren Tramlinie dienen als Schallschutz und fassen das Quartier räumlich. Aus den ehemaligen Industrieachsen entsteht ein neues Wegenetz mit punktuellen Stadtplätzen, das Alt- und Neubauten verbindet und die öffentlichen Räume verknüpft.
Ein gemeinsames Sockelniveau (Tisch) schafft Kontinuität und bietet Raum für publikumsorientierte Nutzungen. Darüber markieren Aufstockungen und Hochpunkte (Landmarks) wichtige städtebauliche Akzente.


Die Höhenentwicklung konzentriert sich auf grosszügige Freiräume – Orte, die nicht nur als Ankerpunkte dienen, sondern auch Bezüge zur Stadt und zur umgebenden Landschaft, zu den Alpen und zum See herstellen.
Das Grün- und Freiraumkonzept sieht zwei größere Parkflächen vor, die über drei unterschiedlich gestaltete Promenaden miteinander verknüpft sind.
Die Dachflächen werden für gemeinschaftliche Aktivitäten, urbane Gärten oder gastronomische Angebote aktiviert und geöffnet.
Ergänzt wird dies durch ein überarbeitetes Mobilitätskonzept, das Fuss- und Veloverbindungen in alle Richtungen stärkt und gleichzeitig den motorisierten Verkehr reduziert.
Das überarbeitete Quartierkonzept schafft die Grundlage für eine identitätsstiftende und nachhaltige Entwicklung von Sévelin Sud. Die Studie zeigt, wie Verdichtung und Aufenthaltsqualität miteinander vereinbar sind und wie aus einem industriell geprägten Areal ein lebendiges, urbanes Quartier entstehen kann.
Sévelin soll sich langfristig zu einem Ort entwickeln, der Kultur, Bildung, Handwerk und öffentliche Nutzungen verbindet – ein Stadtteil mit eigener Identität, der nicht mehr als Durchgangszone, sondern als lebenswerter Bestandteil Lausannes wahrgenommen wird.
«Nach dieser Studie und der Optimierung des Gesamtkonzepts hat der «Rahmenvertrag» der Stadt Lausanne einer Erhöhung der Bruttogeschossfläche um 15 % zugestimmt.»