Chasseron, Lausanne
2020 – 2025
Eigenentwicklung
Olivier Di Giambattista

Der Stadtteil um die Avenue de la Chablière ist ein ruhiges, grünes Wohngebiet im Nordwesten von Lausanne. Bäume, Vorgärten und Stadthäuser aus den 1930er- und 1940er-Jahren säumen die Allee. Das Mehrfamilienhaus Chasseron trägt zur innerstädtischen Verdichtung bei und aktualisiert einen historischen Typus.

Bedarfsanalyse
Nach Erwerb des Grundstücks im Jahr 2011, übernahm Burckhardt Entwicklung die Rolle des Bauherrn und initiierte den Projektstart für ein Mehrfamilienhaus. Burckhardt Entwicklungen klärte die baurechtlichen Parameter, analysierte die städtebauliche wie demografische Struktur des Quartiers und legte den künftigen Wohnungsbedarf und Ausbaustandard fest. Ein Mix aus 2,5 bis 3,5-Zimmerwohnungen erwies sich als optimal. Auf fünf Geschossen verteilen sich so insgesamt fünfzehn Eigentumswohnungen. Der Entwurf verdichtet damit den Stadtteil und reagiert auf die angespannte Wohnraumsituation Lausannes.
Darüber hinaus bestimmte man im Vorfeld künftige Bewohnergruppen, um eine möglichst heterogene Gemeinschaft sicherzustellen. Dass inzwischen Familien, Paare und Singles Chasseron bezogen, erwahrt diese angestrebte Durchmischung.
Organisation
Der trapezförmige Fussabdruck resultiert aus den stadträumlichen Gegebenheiten: Im Norden folgt der Baukörper dem Rhythmus der Allee, im Süden weitet er sich hangabwärts zum Genfersee und schafft eine breitere Fassade für die Balkone. Das fünfgeschossige Haus ist um ein zentrales Treppenhaus organisiert, das drei Wohnungen pro Etage erschliesst. Alle Wohnungen sind hell und wirken geräumig – vor allem durch die französischen Fenster und raumhohen Verbindungstüren. Die Grundrissausrichtung verstärkt diesen Eindruck: klare Fluchtlinien beziehen den Kontext eng ein und führen zu grosszügigen Balkonen in den oberen Geschossen sowie private Gärten in den Erdgeschosswohnungen.
Ein wichtiger Aspekt im Projekt ist die begrenzte Ausstattungsauswahl für Käuferinnen. Bei den Bodenbelägen und Küchengarnituren etwa standen sechs vordefinierte Varianten für die künftigen Bewohnerinnen zur Auswahl. Durch dieses Vorgehen liess sich die Planungs- und Ausführungseffizienz erheblich steigern.



Der Lausanner Plot
Das Projekt steht in der Tradition der «Plots», einer Wohnbautypologie, die Ende des 19. Jahrhunderts in Lausanne entstand. Eine interessante städtebauliche Lösung, die dazu beitrug, die Wohnungsnot zu lindern und gleichzeitig hochwertige städtische Räume zu schaffen. Die Villen bewahrten die Dichte, boten jedoch eine aufgelockerte Morphologie, die die Belichtung und Belüftung der Wohnungen förderte. Das stellte eine wesentliche Verbesserung gegenüber früheren Bautypen dar.
Dieser Gebäudetyp prägt bis heute das Stadtbild von Lausanne. Chasseron fügt sich in diesen Kontext ein, indem es sich vom historischen Modell inspirieren lässt: mit schlanken Proportionen und einer klassischen Gliederung aus Sockel, Wohnkörper und Gesims.

Details
Besonderes Augenmerk galt der Materialwahl und den Details. Die Fassade aus grobkörnigem, graugrünem Putz wird durch sandsteinfarbene Fenstersimse gegliedert. Ein rotstichiger In-Situ-Terrazzo zieht sich von der Eingangsloggia ins Innere, durchquert die Empfangshalle und setzte sich bis ins Treppenhaus fort. Die Stufen des Treppenaufgangs greifen in den Raum hinein, Handläufe und Deckenabschlüsse schliessen scheinbar nahtlos aneinander an. Jede Linie, jede Fuge setzt sich in der nächsten fort.



