Bell-Areal, Kriens
2020
Studienauftrag
Logis Suisse AG und Steiner AG
Stauffer Rösch Landschaftsarchitekten

Industriell geprägter Stadtbaustein
Das Bell-Areal befindet sich in Kriens, südwestlich von Luzern. Benannt ist es nach der Maschinenfabrik, die dort in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet wurde und u.a. mit der Produktion von Turbinen international erfolgreich war. Durch die Standortverlagerung der heute dort ansässigen Produktionsstätten wird der Ort für eine neue Nutzung frei.
Mit seiner orthogonalen Struktur und den grossformatigen Hallen ist das Bell-Areal ein markanter Stadtbaustein in der Morphologie der Kleinstadt Kriens. Sein industrieller Massstab und Charakter stehen im Kontrast zur kleinteilig bebauten Umgebung und bietet zugleich grosses räumliches Potenzial.
Transformation durch Weiterbauen
Grundgedanke der Transformation in ein gemischt genutztes Quartier ist das Weiterbauen an der bestehenden Struktur. Das vormals eingezäunte Industrieareal wird künftig zu einem Stadtteil von Kriens.
Zu einer offenen «Turbinen-Passage» transformiert, bildet die zentral gelegene Halle MH49 das verbindende, öffentliche Rückgrat des Quartiers. Entlang dieser Achse gliedert sich das neue Ensemble in drei Teilbereiche, die sowohl in ihrer baulichen Struktur als auch in ihren Freiräumen differenziert sind. Unterschiedliche Körnungen und städtebauliche Typologien reagieren auf den umliegenden Stadtraum, während differenziert gestaltete Freiräume Aufenthaltsqualitäten bieten und das Quartier mit der Umgebung verweben.


Stadträumliche und typologische Vielfalt
Ein dichter Blockrand im Süden formuliert die Kante zur Obernauerstrasse, zeilenartige Volumen im Zentrum rhythmisieren den Raum, während kleinere Baukörper im Norden den Massstab der angrenzenden Bebauung aufnehmen. Die Freiraumtypologien reichen vom urbanen Platz bis zur Spielwiese. Klare Strukturen, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und flexible Bauweisen schaffen eine funktional offene städtebauliche Einheit.
Etappierte Transformation zum Stadtquartier
Das Projekt gliedert sich in zwei Bauphasen: Zunächst wird der nördliche Arealteil mit prägnanter städtebaulicher Kante und differenzierten Wohnformen entwickelt. Die Turbinenhalle als zentrale Passage schafft eine räumliche Verbindung und ermöglicht frühzeitige Nutzungen. Im zweiten Schritt entstehen am südlichen Arealrand ein urbaner Blockrand, ein neuer Stadtplatz und ein markantes Wohnhaus.

Raumfolge und Erschliessung
Ein feingliederiges Netz aus Plätzen und Wegen verbindet Quartier und Innenhöfe. Die zentral gelegene «Turbinen-Passage» ist ein wettergeschützter Raum.
Die Erschliessung ist autofrei, mit dezentralen Tiefgaragen und gelenktem Lieferverkehr zugunsten ruhiger Freiräume.
Freiraumkonzept und Stadtklima
Die Freiraumstruktur komplettiert die städtebauliche Gliederung mit privaten Gärten, gemeinschaftlichen Höfen und öffentlichen Plätzen. Begrünte Fassaden, Retentionsmulden und Wasserflächen verbessern das Mikroklima, während die denkmalgeschützte Halle MH49 als identitätsstarke, multifunktionale Passage die industrielle Geschichte bewahrt.
Typologische Vielfalt und Flexibilität
Die Baukörper sind kompakt, modular und in ihrer Grundstruktur flexibel gestaltbar. Unterschiedliche Wohnformen – von Laubenganghäusern bis zu Stadthäusern mit Duplex- oder Triplex-Wohnungen – fördern eine sozial vielfältige Bewohnerschaft. Die programmierte Wand am Westrand ist als flexibler Baukörper für Co-Working und Co-Housing konzipiert und bietet innovative Nutzungsmischungen.